Spitzenreiter stolpert erneut – Spielbericht vs. TSV Weißenburg

Während die Idole der Deutschen Handball Nationalmannschaft in Dänemark um den Europameistertitel kämpften, durfte der Tuspo Nürnberg zeitgleich in den Niederungen der Bezirksliga in Weißenburg antreten. Im Ergebnis führte dies zu doppelter Ernüchterung: Das eigene Spiel verloren und das Finale der Handball Europameisterschaft verpasst.

Dass es kein leichtes Spiel werden würde, war den Männern aus Nürnberg durchaus bewusst. Noch immer kursiert die Erzählung von alten und gar nicht so alten Recken des Tuspo von einer Auswärtsfahrt nach Weißenburg im eisigen Winter bei Mondesschein, von Blitzeis, bedrohlichen Laternenmasten, einer dunklen Halle und einer Niederlage in der Römerstadt, mit der Beschreibung „man könne heute immer noch spielen und würde ewig einem Rückstand hinterherlaufen“. Die Männer um die Spielertrainer Majcen und Schoch hätten sich diese Überlieferung besser nochmal genauer angehört, denn Geschichte wiederholt sich.

Die Anreise verlief im Vergleich zu der grausamen Legende diesmal ohne Zwischenfälle, alle 14 Spieler erreichten die Landkreishalle wohlauf. Die Gastgeber liefen ihrerseits ebenfalls mit der gleichen Spieleranzahl auf. Eine ausgeglichene Ausgangslage für das letzte Spiel des 14. Spieltags der Bezirksliga Mittelfranken.

Ausgeglichen verlief auch der Start in die Partie, der Auftakt machte direkt deutlich, auch heute würde es keine Geschenke in Weißenburg geben.

Nach rund 20 Minuten setzten sich die Gastgeber erstmals mit drei Toren ab, Trainersohn Sebastian Rudat und immer wieder Moritz Meyer führten ihr Team dabei gegen den Tabellenführer zum Erfolg. Die Pausenführung von 15:13 für die Weißenburger war ein erster Fingerzeig, jedoch aufgrund der noch ausstehenden zweiten 30 Minuten noch kein Grund zur Besorgnis für die Gäste.

Entsprechend sorglos stieg Tuspo Nürnberg in die zweite Halbzeit ein. Laissez-faire in der Abwehr und wenig Esprit im Angriff machten es den Weißenburgern nicht allzu schwer, die Führung auch in der zweiten Halbzeit zu verwalten. Besonders auffälliges Indiz der vorherrschenden Lethargie auf Seiten der Gäste: Waren in den Vorwochen stets die Strafen der Malus auf Seiten des Tuspo gewesen, der die Mannschaft in Probleme gebracht hatte, war es diesmal das komplette Gegenteil. Ohne eine einzige gelbe Karte, geschweige denn eine Zeitstrafe sollten die Nürnberger das Spiel beenden.

Zum Unglück der äußerst biederen Vorstellung der Nürnberger kam dann auch noch ausreichend Pech dazu. Abpraller landeten durch die Bank wieder bei den Gastgebern, Blocks beim Kreisläufer der Gegner und die Torhüter des Tuspo waren zwar an jedem Ball dran, aber einfach nicht ausreichend. Diese schlimme Gemengelage aus Sorglosigkeit, Unvermögen, Verletzungen und Pech führten Mitte der zweiten Halbzeit dazu, dass die Partie den Gästen komplett aus den Händen rann.

Zwar flackerte noch ein kleines Fünklein Hoffnung auf, als Philipp Schardt zehn Minuten vor Ende zumindest nochmal auf drei Tore verkürzen konnte. Doch auch diesen Strohhalm konnten die Nürnberger nicht mehr ergreifen.

Wie auch in der unheilvollen Geschichte aus der Vergangenheit hätten die Gäste wohl noch ewig spielen können und wären in der Verfassung dieses Sonntags nicht mehr auf die Siegerstraße gekommen. Die Weißenburger verwalteten das Ergebnis bis zum bitteren Ende, während es dem Tuspo nicht mehr gelang, dazwischenzugehen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, spielen sie wohl immer noch… Oder zumindest wieder: Am kommenden Sonntag gilt es alte Geschichten vergessen zu machen und ein anderes Gesicht an den Tag zu legen. Im Heimspiel gegen die Reserve des TSV Stadeln wartet dann der Tabellenvierte der Liga, der mittlerweile nur noch vier Punkte hinter dem Tuspo Nürnberg lauert. Spannung ist vorprogrammiert.