Chronik des TuSpo Nürnberg

Die Anfänge – vor dem Ersten Weltkrieg

Die Wurzeln des heutigen TuSpo Nürnberg reichen bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück.
Aus mehreren kleinen Turnvereinen entstanden Ende des 19. Jahrhunderts zwei Vorgängervereine: die Turngemeinde Nürnberg (gegründet 1888) und die Freie Turnerschaft Nürnberg (gegründet 1911).
Beide Gruppen trieben ihren Sport in gemieteten Hallen und auf gepachteten Flächen – getrieben von der Begeisterung für Turnen und Gemeinschaft.

Aufschwung und erste Sportstätten (1919–1933)

1919 kaufte die Turngemeinde vom Brauhaus Nürnberg den „Maxfeldkeller“ an der heutigen Carl-von-Linde-Straße.
Die Bierlager wurden zu Turnhallen, das Freigelände zu einem Turnplatz umgebaut.
1920 erwarb die Freie Turnerschaft einen Acker im heutigen Marienbergpark, errichtete dort einen Sportplatz mit Baracke und einen Kiosk mit Biergarten.

Beide Vereine erzielten beachtliche sportliche Leistungen:
Hans Schmidt nahm 1938 erfolgreich am Deutschen Turnfest in Breslau teil, Finny Grieb und Berta Reis gewannen 1931 bei der Arbeiter-Olympiade in Wien.

Verbot und Kriegsjahre (1933–1945)

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Freie Turnerschaft 1933 als Arbeitersportverein verboten und das Vereinsgelände enteignet.
Einige Sportfreunde wechselten zur Turngemeinde, doch auch deren Anlagen wurden im Krieg stark zerstört.
Das gemeinsame Sportleben kam zum Erliegen.

Neubeginn und Fusion (1945–1947)

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg begannen beide Vereine mit dem Wiederaufbau.
Am 20. Januar 1946 beschlossen sie die Fusion zur Turn- und Sportvereinigung Nürnberg, kurz darauf „TuSpo Nürnberg“ genannt – ein Name, der bis heute steht.
Der TuSpo ist der einzige Verein, der das Nürnberger Stadtwappen führen darf.

Die Neugründung war mit politischen Hürden verbunden:
Die amerikanische Militärregierung verlangte den Nachweis, dass der Verein frei von nationalsozialistischem Einfluss sei.
Die Mitglieder Hans Prölß, Ernst Walz und Gregor Schamberger, selbst ehemalige KZ-Häftlinge, bürgten persönlich für den Verein.

Wiederaufbau mit Idealismus (1945–1955)

Trotz Mangel an Material, Geld und Genehmigungen baute der Verein seine Sportanlagen wieder auf:

  • 1945 wurde der A-Platz instand gesetzt,
  • 1946 erste Fußball- und Handballspiele, erste Turnstunden in der Bismarckschule.
    Die Mitglieder arbeiteten mit unermüdlichem Einsatz:
    Hans Wölfel organisierte gebrauchte Sportgeräte, der Schuster Willy Reis flickte jede Woche Bälle, und Räume wurden tagsüber als Kinderhort vermietet, um Einnahmen zu erzielen.

1950 übernahmen Hans Wagner (1. Vorsitzender) und Ernst Dörntlein (2. Vorsitzender) die Vereinsführung.
Die Zahl der Mitglieder wuchs, und der TuSpo wurde zur festen Größe im Nürnberger Norden.

Ausbau und sportliche Erfolge (1955–1970)

In den 1950er-Jahren begann eine Phase großer Investitionen und sportlicher Erfolge:

  • 1954–1956: Bau der neuen Turnhalle an der Marienbergstraße – die erste nach dem Krieg in Nürnberg.
  • 1956: Einweihung der Halle, Gründung neuer Abteilungen: Faustball, Tischtennis, Volleyball, Wintersport.
  • 1961: Fußballer gewinnen die mittelfränkische Meisterschaft im DFB-Pokal.
  • 1964: Neubau des Tennisheims.

Die Handballer feierten ebenfalls große Erfolge:
1948 Aufstieg in die Bayerische Oberliga, 1967 Bayerischer Meister der A-Jugend.

Eine legendäre Episode aus dieser Zeit:
Im Spiel gegen Freilassing entwickelte man den „TuSpo-Reiter“ – ein Spieler stand auf den Schultern eines anderen, um Freiwürfe abzuwehren. Das Spiel wurde gewonnen, die Regel danach geändert.

Aufstieg in die Spitzenklasse (1970–1980)

Die 1970er waren das Jahrzehnt des sportlichen Höhepunkts:

  • 1972: Bau des Hartplatzes mit Flutlicht, Gründung des Seniorenclubs.
  • 1973: Errichtung einer Tennis-Traglufthalle – eine der ersten in Nürnberg.
  • 1977: Bau einer Asphalt-Stockbahn und Gründung der Eisstock-Abteilung.

1973 stiegen die Handballer unter Trainer Volker Schneller in die Bayerische Oberliga auf.
1974 gewann die A-Jugend die Deutsche Meisterschaft,
1977 folgte der Aufstieg in die Regionalliga,
1981 schließlich der erste Aufstieg in die Bundesliga.
Der TuSpo war damit zeitweise einer der leistungsstärksten Handballvereine Bayerns.

Wandel, Breiten- und Gesundheitssport (1980–2000)

Nach dem Ende der Profihandball-Ära setzte der Verein verstärkt auf den Breiten- und Gesundheitssport:

  • 1995: Gründung der Basketball-Abteilung, später Übergang zu eigenständigem Verein, inzwischen wieder als Abteilung des TuSpo.
  • 1997: Start der Herzsportgruppe, die bis heute aktiv ist.
  • Einführung von Walking, Nordic Walking, Qi Gong und Gedächtnistraining.
  • Kindersportschule: Förderung von Kindern zwischen 2 und 12 Jahren mit Spaß an Bewegung.

TuSpo heute – Sport, Gemeinschaft und Engagement

Heute ist der TuSpo Nürnberg ein moderner Mehrspartenverein mit rund 2.500 Mitgliedern in 13 Abteilungen.
Das rund 25.000 m² große Vereinsgelände umfasst:

  • 5 Sportplätze
  • 1 Hartplatz
  • 3 Faustballfelder
  • 6 Tennisplätze
  • 2 Asphalt-Stockbahnen
  • eine moderne Turnhalle
  • eine Vereinsgaststätte mit Biergarten.

Der Verein versteht sich als familiärer Treffpunkt für alle Generationen, mit Sport, Geselligkeit und sozialem Miteinander im Stadtteil Nürnberg-Ziegelstein

 

 

Sportgelaende 1920Vorläufer unseres heutigen Sportgeländes im Jahr 1920

 

Sportgelaende 1929Das Sportgelände am Vogelherd im Jahr 1929

 

Sportgelaende 1998Unser Sportgelände im Jahr 1998