Der Anfang

Handball – Am Anfang stand ein „Kürbisball“

Aller Anfang ist schwer. Ein bekanntes Sprichwort, das sicherlich auch zutrifft, wenn der Chronist einen Blick zurück in die Anfänge des Nürnberger Handballs wirft.

Im Herbst 1945 schlossen sich die Spieler der Turngemeinde Nürnberg und der Freien Turnerschaft Nürnberg zusammen. Namen wie Dollmeier, Siebke, Alfred Meier, Hans Scharrer, Krauser, Höck, Weißkopf, Riedel, Chesi, Wörner und Schemel sind vielen älteren Handballfreunden noch ein Begriff – zumal diese schlagkräftige Tuspo-Mannschaft bereits in der Saison 1946/47 den Titel des Gruppenmeisters in der Kreisklasse errang.

Es folgte der Aufstieg in die Landesliga Nord (Gruppe Ost) und im Folgejahr der Aufstieg in die Bayerische Oberliga. Für drei Jahre etablierte sich Tuspo in dieser damals höchsten Spielklasse.

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1947/1948 gelang dieser Mannschaft der Aufstieg in die Bayerische Oberliga

Wer dachte in diesem Augenblick an vergangene, mitunter beschwerliche Jahre?

Nehmen wir zum Beispiel das Jahr 1921. Der Vater des späteren Abteilungsleiters Eugen Stulle hatte das Handballspiel in die Turngemeinde eingeführt. Im Nürnberger Norden entstand die Keimzelle des Tuspo-Handballs. Und, Chroniken weisen es aus, im ersten denkwürdigen Spiel standen sich die Turngemeinde – aus Leichtathleten und Fußballspielern zusammengesetzt – und der Männerturnverein gegenüber. 7:2 gewann der Männerturnverein die Partie. Diese erste Mannschaft überhaupt verdient es, in Erinnerung zurückgerufen zu werden. Es waren: Hans Guhmann, Hans Lehmann, Heinrich Hübner, Fritz Kühnlein, Loni Schmidt, Hans Scherm, Georg Hopfengärtner, Georg Scherm, Willi Schmidt, Hans Herzig und Georg Ühlein.

Gespielt wurde mit einem Ball, der damals sogar die Größe eines heutigen Fußballs übertraf; die Tore waren zwei Meter kleiner als die heutigen Fußballtore, es bestand eine Abseitsregel. Kaum verwunderlich, dass eine Torflut, wie sie heute bei Handball-Paarungen an der Tagesordnung ist, in diesen Jahren ausblieb.

Die Zeit schritt voran. Höhepunkte in den 1920-er Jahren waren für die freie Turnerschaft Nürnberg die Festmeisterschaft“ beim Reichsarbeiter-Sporttag in Bayreuth (1926) und die Teilnahme der Jugend am Endspiel um die Kreismeisterschaft (ebenfalls 1926), das mit 2:4 gegen den „vierten Bezirk“ verlorenging.

Die Damenmannschaft errang in ihrer Blütezeit (1928 – 1931) fünfmal hintereinander die Bezirksmeisterschaft, scheiterte im Endspiel um die Kreismeisterschaft aber stets am großen Rivalen Gostenhof.

Als der Arbeitersport im Jahr 1933 in Deutschland verboten wurde, war die Handballabteilung der Freien Turnerschaft bereits auf 80 Akteure angewachsen. Trotz der Enteignung der Sportanlage lebte der Geist weiter, wie sich nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich zeigte.

Die eingangs erwähnte Fusion mit der Turngemeinde, der letzten Zivilmannschaft von Nürnberg im Kriege, die nach 1927 von Ziegelstein auf den Sportplatz am Marienberg umzog und 1934 mit dem Sieg im mittelfränkischen Endspiel (12:5 gegen den TV 48 Erlangen) einen wichtigen Erfolg feierte, konnte im Herbst 1945 geschlossen werden.

Nach den bereits genannten drei Jahren in der höchsten Spielklasse, der Bayernliga, ging es zunächst wieder abwärts. Nach einer Umstellung der Spielklassen im Jahr 1956 und dem abermaligen Abstieg bis in die Kreisklasse gelang erst im Jahr 1966 der Wiederaufstieg.

Erinnern wir in diesem Zusammenhang an die vorbildliche Jugendarbeit, deren Früchte man jetzt ernten konnte. 1961 und 1962 hatten Andreas Munkert und Gerd Adrian die Tuspo Nachwuchsarbeit übernommen – spätestens 1966 trat die Jugend aus dem Schatten der Mittelmäßigkeit heraus: In diesem Jahr wurde sie in der Halle Nordbayerischer Meister und Bayerischer Vizemeister, 1967 in der Halle und auf dem Großfeld abermals Nordbayerischer Meister und erstmals Bayerischer Meister. Die Jugendspieler Altmann, Illner, May, Herold, Pohl und Gerd Stulle wurden in die Bayernauswahl berufen, Altmann, Pohl und Stulle sogar in die süddeutsche Auswahl.

Nach Einbau der talentierten jungen Spieler gelang der Männermannschaft 1968 der Aufstieg in die Nordbayerische Landesklasse im Großfeld und 1970 auch in der Halle. Es spielten damals: H. Böhm, Helmut Schmelzle, Wolf Herold, Charly Altmann, Günther Ziegler, Gerd Stulle, Klaus Pohl, Heinz Übele, Peter Bauer, Wolfgang Illner und Jürgen Meier.

1972 – die neue Handballära bei Tuspo war längst eingeleitet – wurden die damals 14- bis 16-Jährigen nacheinander Mittelfränkischer, Nordbayerischer und Bayerischer Meister sowie Süddeutscher Vizemeister. In diesem „Team der Zukunft“ spielten Peter Stulle, Manfred Hofrichter, Peter Jürgens, Harald Scherm, Klaus Walter, Adi Diebold, Michael Lösel, Heinz Winterstein, Peter Göppner, Thomas Lew und Thomas Walberer.

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1974 errang der Nachwuchs von Tuspo die deutsche Meisterschaft

Unter den Spielern taucht ein Name auf, der später unter der Liste der deutschen Nationalspieler zu finden sein sollte: Peter Stulle hieß der junge Mann, dem die Zukunft gehören sollte.

Verweilen wir kurz noch in den Jahren 1972/73. Mit Spielertrainer Volker Schneller wurde Tuspo nordbayerischer Hallenmeister und stieg nach zwei Siegen über den VfL Günzburg in die Hallen-Oberliga auf. Dieser beiden Siege hätte es eigentlich gar nicht mehr bedurft. Schließlich war die Liga von acht auf zehn Vereine aufgestockt worden. So oder so: Tuspo war dabei!

Von nun an ging es kontinuierlich aufwärts. In der bayerischen Hallen-Oberliga gelang 1973/74, also im ersten Jahr, der achte Platz. Die Klasse war gesichert. Schon in der darauffolgenden Saison 1974/75 belegte Tuspo am Ende den dritten Rang, der auch in der Saison 1975/76 erreicht wurde. 1976/77 gab es keine Zweifel mehr: Tuspo sicherte sich in der Hallen-Oberliga den ersten Platz, setzte sich als bayerischer Handballmeister in den Aufstiegsspielen gegen TSB Horkheim (18:13), SG Köndringen/Tenningen (14:10) und St. Leon Roth (15:13) durch. Der Aufstieg in die Regionalliga Süd, er war geschafft!

Schon im ersten Jahr (Saison 1977/78) stand dort nach Abschluss der 22 Meisterschaftsspiele ein erfreulicher dritter Rang zu Buche. Nur zwei Punkte fehlten zum Meistertitel, den sich der TSV Rintheim sichern konnte.

Festzuhalten bleibt, dass viele Spieler, Betreuer und ehrenamtliche Helfer dazu beigetragen haben, dass der Tuspo-Handball zu einer festen Größe wurde. All denjenigen, die es möglich gemacht haben, gilt unser Dank.

Quelle: Festschrift zur 100 Jahr Feier des Tuspo Nürnberg
ergänzt von Hubert Weißenberger

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